18.04.2017 09:27

Neue Zeiten für die Pflegeberufe

Die Tatsache dürfte auch im entlegensten Teil der Bundesrepublik schon vor langer Zeit angekommen sein: Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt und zugleich ist ein Mangel an ausgebildeten Pflegekräften absehbar.
Unter diesen Voraussetzungen ist es wichtig, den Pflegeberuf für junge Menschen attraktiv zu machen – attraktiver, als er derzeit zu sein scheint. Mahnende Stimmen sind seit etwa einem Jahrzehnt zu hören. Leises Knirschen der Gesetzesmaschinerie auf der Ebene von Referentenentwürfen war seit etwa fünf Jahren vernehmbar. Nun hat die Bundesregierung dieses letzte große Vorhaben im Bereich der Gesundheitspolitik auf die Schiene gesetzt. Nach einjährigen Verhandlungen zwischen den Koalitionspartnern besteht nun Einigkeit über eine Reform der Berufsausbildung der Pflegeberufe.

Die Ziele sind formuliert, bis die Reform greift, wird es allerdings noch dauern, denn der Gesetzgeber muss noch eine Reihe zusätzlicher Stellschrauben drehen. Im Jahr 2019 wird die Reform dann voll wirksam. Ab diesem Jahr wird es keinen Einzelabschluss im Bereich der Krankenpflege mehr geben. Als einheitliche neue Berufsbezeichnung wird ´Pflegefachfrau` beziehungsweise ´Pflegefachmann` eingeführt.

Generalisten bevorzugt
Zu den Eckpunkten der Reform gehört die Einführung einer einheitlichen und für alle Auszubildenden obligatorischen Ausbildung. Diese dauert mindestens drei Jahre und findet an Pflegeschulen und in ihrem praktischen Teil bei einem Ausbildungsträger statt. In diesem praktischen Teil wählen die Auszubildenden einen sogenannten ´Vertiefungseinsatz`, also eine Spezialisierung, die im Zeugnis entsprechend ausgewiesen wird. Abschluss ist eine staatliche Prüfung. Zu den bisherigen Ausbildungsgängen kommt ergänzend das berufsqualifizierende Pflegestudium.
Die generalistisch ausgebildeten geprüften Fachkräfte sollen in allen Berufsfeldern – Kinder-, Kranken-, Altenpflege – arbeiten können. Der Abschluss soll europaweit anerkannt werden, so dass sich weitergehende Beschäftigungschancen eröffnen. Allerdings bleibt die Möglichkeit, im dritten Ausbildungsjahr im Bereich der Kinderkranken- und Altenpflege den klassischen Abschluss zu wählen.

Kostenlose Ausbildung
Der zweite wichtige Punkt der Reform ist die Abschaffung der Schulgebühren für Pflegeberufe. Die vorgesehenen Investitionen belaufen sich auf einen zwar niedrigen, aber immerhin dreistelligen Millionenbetrag. Als weiterer Pluspunkt wird seitens der Regierung die Durchlässigkeit der neuen Pflegeausbildung hervorgehoben.
In einigen Jahren will der Gesetzgeber den Erfolg – oder dessen Mangel – der Reform bewerten. Ob die dreijährige Ausbildung nicht in vielen Fällen über das Ziel hinausschießt, bleibt abzuwarten. Kritische Stimmen verweisen schon darauf, dass das Waschen der Pflegebedürftigen, Begleitung beim Toilettengang etc. keine akademische Ausbildung von drei Jahren erfordert. Auf der anderen Seiten steht das Argument, dass medizinischer Fortschritt auch das ausgebildete Personal braucht, das die neuen Möglichkeiten für den Pflegebedürftigen bereitstellen kann.
Auf jeden Fall dürfte das Lohnniveau der Altenpflege steigen, denn es wird sich an die höheren Vergütungen im Bereich der Krankenpflege anpassen.

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