23.10.2019 10:37

Demenz verstehen – Was tun, wenn Oma schreit, kratzt und schlägt?*

 

Jede Phase einer Demenz verläuft anders. Und eine Demenz verläuft auch nicht bei jedem Menschen gleich. Einige Patienten schreien und rufen den ganzen Tag.

Sehr oft kann man beobachten, dass Menschen mit Demenz ein Verhalten zeigen, welches in der Tat als „auffällig“ bezeichnet werden kann.

Es ist wichtig, die Person als Ganzes zu sehen: Seine Umgebung, die Menschen, die mit ihm zusammen sind, den gesamten Tagesablauf, den Fortschritt der Erkrankung und vieles mehr.

Der Umgang mit dem Menschen mit Demenz sollte darauf ausgelegt sein, ihm vorbehaltlos und empathisch zu begegnen und sich ernsthaft mit seinem Problem zu beschäftigen.

Warum schreit und schlägt ein Mensch mit Demenz?

Menschen mit Demenz spüren, dass sie nach und nach „etwas“ verlieren. Sie bemerken, dass der Gedächtnisverlust zunimmt – zumeist lange, bevor der nahestehende Angehörige etwas ahnt – und sie stellen fest, dass Fähigkeiten verloren gehen. Dass man plötzlich nicht mehr weiß, wie etwas funktioniert oder bedient werden kann.

Das macht dem Betroffenen Angst. Im Laufe der Zeit geht so vieles verloren, dass der Mensch mit Demenz nicht mehr in der Lage ist, zu gehen und im Rollstuhl sitzt, kaum mehr etwas zu Wege bringt oder tun kann.

Diese besonderen Verhaltensweisen wie schreien, bummern, klopfen, auch kneifen und schlagen treten meist erst in einem späten Stadium der Erkrankung auf. Eben dann, wenn das kranke Gehirn kaum mehr Beschäftigung oder Bewegung zulässt.

Versetzen Sie sich hinein in so eine Situation:

Sie sitzen im Rollstuhl, sind zu schwach, dessen Position zu verändern. Es drückt im Rücken, Sie können das nicht allein ändern und niemand ist da. Selbst wenn, Sie können sich vielleicht nicht mal mehr ordentlich ausdrücken und mitteilen, was Ihnen fehlt.

Allein und verlassen ärgern Sie sich über ihre Unbeholfenheit.

Ist es da ein Wunder, wenn der Betroffene schreit?? NEIN! Denn irgendwie muss er ja auf sich und seine Wut aufmerksam machen. Was bleibt ihm weiter? Er kann nur schreien!!

Es ist das, was ihm geblieben ist. Also schreit er und schreit, bis endlich jemand kommt. Und dann hat er vergessen, was ihn so verärgert hat

Versetzen Sie sich in den Menschen mit Demenz. Warum könnte er schreien? Was kann passiert sein?

Prüfen Sie folgendes:

  • Hat er Durst?
  • Tut ihm etwas weh?
  • Bereitet das Sitzen Probleme? Ist eine Lageänderung angezeigt?
  • Ist etwas zu laut, zu warm, zu kalt, der Fernseher/das Radio zu leise?

Treffen diese Punkte nicht zu, fragen Sie sich folgendes:

  • Ist der Mensch mit Demenz allein? Wie lange schon?
  • Oder ist er einfach nur traurig? Oder traurig, weil er allein ist?
  • Hat er womöglich das Gefühl, überflüssig, sogar eine Last zu sein?

Was kann man in so einer Situation tun?

Ganz wichtig: Niemals mit Vorwürfen arbeiten!

Sagen Sie etwas in der Art, wie zum Beispiel: „Ich sehe, du bist allein und traurig. Ich habe noch viel in der Küche zu tun und kann mich nicht zu dir setzen, aber weißt du was, ich nehme dich mit in die Küche. Dort läuft gerade die Schlagerparade von 1975, das muss doch genau deine Zeit gewesen sein. Hören wir uns die Lieder gemeinsam an, dann bin auch ich nicht so allein.“

Wie sollen wir Menschen mit Demenz begegnen?

Aufmerksamkeit, Liebe, Verständnis, Zuhören, Dasein. und nicht zuletzt schreit sich der Mensch mit Demenz auch die Wut aus dem Leib über seine Situation, die ihm immer mehr entgleitet, die er immer weniger versteht und mit der er zunehmend unzufriedener wird.

Der Erkrankte kann nur so auf sich und seine ausweglose Situation aufmerksam machen. Helfen wir ihm, seine Situation dauerhaft angenehm und erträglich zu gestalten, muss er nicht mehr schreien.

Manchmal ist ein entsprechendes Medikament eine große Hilfe – nicht nur für Sie, auch für den Erkrankten, der womöglich ohne medikamentöse Unterstützung gar nicht mehr allein zur Ruhe kommt und jetzt erst Ihre Aufmerksamkeit und Einbindung bemerkt und sich darauf einlassen kann.

* Dieser Beitrag stammt aus der Feder von Brita Wellnitz, Leiterin der Demenz-WG Schwarzachhaus. Ihre Beiträge entstehen aus dem täglichen Umgang mit Demenzpatienten.

https://somedi.eu/de/pflege-bei-demenz

 

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